Führungskraft im agilen Unternehmen

Es wird viel geschrieben über Führung, Führungskraft, Manager, Hierarchie, Selbstorganisation, Leadership etc. In meinen 14 Jahren als Führungskraft (aka Manager, aka Leader, aka Chef oder "Boss" wie mich einer meiner Kollegen immer ansprach (Was mich immer etwas befremdet hat. Ich selbst sah mich immer eher als Kollege, was ich aber faktisch qua Hierarchie nie war)), habe ich mir mein eigenes mentales Model vom Job einer Führungskraft gemacht. Und nachdem ich seit 2002 mit agilen Methoden arbeite, immer im Kontext des agilen Mindsets.

 

Was ist für mich der Job einer Führungskraft? 

"Making things happen"

                      Scott Berkun

Dinge geschehen lassen! Mit mir, ohne mich, durch mich, gegen mich, aber definitiv in die richtige Richtung!

 

Für mich ist der Job einer Führungskraft, ein System, eine Organisation zu schaffen, bzw. entstehen zu lassen,

  1. das seine Aufgabe erfüllt. Schnell, verlässlich, gut. In der IT: Working software
  2. Dessen Aktivitäten Wirkung zeigen. In der IT: Software die die Bedürfnisse eines Kunden befriedigt.
  3. Das sich weiter entwickelt. Schneller wird, besser wird, verlässlicher wird. 
  4. In dem sich Menschen gerne einbringen,  gerne Hochleistung bringen, sich gerne weiterentwickeln wollen

Der Fokus liegt hier auf "ein System". Dieses Betriebssystem besteht aus mehreren Komponenten:

  1. Menschen
  2. Prozessen
  3. Strukturen
  4. Technologie (in anderen Disziplinen, deren Fachlichkeit, z.B. Marketing, Vertrieb, Controlling)
  5. Kultur

Der Job einer Führungskraft ist es diese Komponenten so zusammenzufügen, das ein leistungsfähiges System, eine leistungsfähige Truppe entsteht, die Spass an der Arbeit hat, ambitioniert ist und tatsächlich was erreicht. Letzteres wird manchmal vergessen, gern im Umfeld von "New Work". Da scheint es manchmal nur um den wieder erlangten Spass, aber nicht so sehr die Leistung zu gehen.  ;-) Für mich sind das zwei Seiten der selben Medaille. Erfolg kann unglaublich gut tun! 

 

Dieses Zusammenfügen und entstehen lassen ist kein "einsamer Job an der Spitze". Das ist viel mehr "Co-Creation" aller am System Beteiligter. Manche mehr, manche weniger, je nach Fähigkeit, Lust und Laune. 

 

Eine Führungskraft braucht ein gutes Verständnis von all diesen Dingen (Menschen, Prozessen, Strukturen, Technologie und Kultur) und deren Interaktionen und Zusammenhängen und darf niemals aufhören darüber zu lernen. Sie braucht Neugier und die Fähigkeit, Dinge, die sie woanders sieht, im eigenen Kontext anzupassen und auszuprobieren. Und sie braucht definitiv ein Gespür und Händchen für Personen und Situationen 

 

Je größer dabei das System, die Organisation, der "Verantwortungsbereich" ist, umso mehr Erfahrung benötigt diese Führungskraft. Ob sie in zukünftigen Organisationsformen immer hierarchisch Vorgesetzter sein muss, weiss ich nicht. Wovon ich aber überzeugt bin, ist, dass diese Rolle nicht die Rolle eines Enterprise Agile Coaches ist, auch wenn es große Überlappungen gibt. Ein Coach ist ein Coach und ein Leader ist ein Leader. (Das deutsche Wort Führer wollte ich vermeiden...) Vielleicht ist das aber nur meinem eigenen persönlichen "Führungsstil" geschuldet. Meine Sätze enden (leider) oft mit einem Ausrufezeichen und nicht mit einem Fragezeichen... ;-) Aber ich arbeite daran...

 

In den folgenden Artikeln gehe ich auf einzelne Aspekte detaillierter ein. Feedback, Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen!

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